„Das Muss-Monster“ – Gedanken zu Zwängen und Pflichtgefühlen

Vor ein paar Tagen habe ich zum Einschlafen ein Hörspiel gehört. Als ich dann nachts nochmal aufgewacht bin hatte sich Spotify nicht wie gewohnt nach Ende der Playlist selbst geschlossen, sondern hat sich per Zufallsprinzip das nächste Hörspiel gegriffen und abgespielt.

So lag ich eine Weile wach. Ziemlich verwundert über das was ich hören durfte.

Das Hörspiel war eindeutig amerikanisch (mit verklemmtem Humor und großen Sprüchen) und im Prinzip ging es in jedem Kapitel darum „einen Scheiß zu müssen„. Der Autor ermutigte den Hörer dazu keinen Sport zu treiben sondern lieber vorm Fernseher zu liegen und Bier zu trinken. Begründung: Sport macht dick, unglücklich und einsam!

Zur Untermauerung seiner Thesen wurden kleine Anekdoten erzählt. Beispielsweise vom Marathonläufer, der trainiert bis seine Frau ihn verlässt. Vom Büroarbeiter, der sich von seinem inneren Schweinehund verpflichtet fühlt Sport zu treiben und es tatsächlich gegen Stress hilft! Nämlich gegen den gerade vom inneren Schweinehund aufgebauten…

Noch im Halbschlaf habe ich mich gefragt, ob ich mir ebenfalls nur einrede ein neuer Lebensstil würde mir gut tun. Vielleicht spiele ich mir selbst etwas vor? Auf der Suche nach einem makellosen Ich vergesse ich, warum ich bisher nie Sport gemacht habe – nämlich weil es mir einfach keinen Spaß macht! Warum sollte mich etwas zu einem glücklicheren Menschen machen, das mir einfach keinen Spaß macht!?

Nachdem ich ein paar Mal erneut eingeschlafen und von Thesen wie „Alkohol ist gesund“ oder „Bier macht dich schlank“ aufgeweckt wurde, kam mir ein verrückter Gedanke: Dieses Hörspiel versucht den Menschen das schlechte Gewissen zu nehmen. Sie von ihren Zwängen zu befreien und aufzuzeigen, wie leicht es doch ist glücklich zu sein.
Doch in mir hat es genau das Gegenteil heraufbeschworen! Plötzlich hatte ich das Gefühl mit meinem Wunsch nach einer besseren Ernährung und einem glücklichen Leben ein Medienopfer oder Lifestyle-Hipster zu sein.

Mit Nachdruck hab ich den Laptop zugeklappt und das Hörspiel endgültig zum Schweigen gebracht.

Es geht nicht darum, dass jeder Mensch faul vorm Fernseher liegen soll und Bier trinken muss um glücklich zu sein. Es geht allein darum einfach genau das zu tun was man selbst braucht!

Ich habe nicht das Gefühl meine Ernährung umstellen zu wollen, weil es sich auf Instagram gut macht oder mein innerer Schweinehund mir sagt, dass es besser für mich sei.
Nein. Ich spüre, dass mein Körper mehr will, als ab und an ein oder zwei Gabeln kalte Nudeln vom Vortag oder einen Smoothie zwischendurch.
Ich möchte nicht plötzlich jeden Tag trainieren gehen, in dem Glauben dadurch mein Glück zu finden – ich will viel mehr meinen Körper kennen lernen und spüren können, was ich brauche!

Auch wenn ich nichts an mir ändern muss, habe ich das Gefühl es mir einfach zu wünschen. Und ja, ich muss mich manchmal dazu überreden. Aber letzten Endes mache ich es doch nur für mich und ich spüre wie glücklich es mich macht.

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